Grenzen überwinden

14.06.08

16.00 Uhr in der Schwarzen Kirche (bei Kaffee & Kuchen) in Kronstadt. Eröffnung der Melanchtonausstellung Grenzen überwinden. Die Bedeutung Philipp Melanchthons für Europa. Von Wittenberg bis Siebenbürgen.


Internationale Ausstellung der Europäischen Melanchthon-Akademie Bretten in Zusammenarbeit mit dem Archiv der Honterus-Gemeinde Kronstadt.

Der Logik des Medienzeitalters entsprechend, in dem der Leitsatz gilt: „only bad news, are god news“, ist die heutige Ausstellung vollends entbehrlich. Die Bemühungen Philipp Melanchtons und seiner Gefährten im westlichen Europa, das interkonfessionelle Gespräch am Leben zu halten und dem Haß keinen Raum zu lassen, scheiterten, die Katastrophe des Dreißigjährigen Krieges war die mittelbare Folge – daraus sind die storys gemacht, die Interesse erwecken, die man an den Mann und die Frau bringen kann. Nicht Frieden und Funktionalität sind da gefragt.

Siebenbürgen mit seinen sieben – oder auch mehr – historischen oder nicht ganz so historischen Konfessionen und vielleicht nicht ganz so vielen ethnischen Gruppen hätte doch gemäß der Medienlogik alle Vorraussetzungen für jugoslawische Verhältnisse, wie wir sie in den 1990er Jahren so traurig miterleben mußten. Es ist hierzulande normal, daß seit eh und je beliebig viele Konfessionen ohne nennenswerte Konflikte an einem Ort zusammenleben. Daß dies funktioniert hat und immer noch funktioniert, kann nur an gegenseitigem Respekt und Wahrnehmung liegen. Diese Normalität – insofern ist der Leitspruch „Normal. Sibiu“ gar nicht so abwegig – ist es, die Siebenbürgen und Rumänien strukturell gesehen europäisch macht. Das Maß in dem Vielfältigkeit als ein Gewinn betrachtet wird, wird darüber entscheiden, ob unser Land die heuer erhaltene europäische formelle Zugehörigkeit auch wird ausfüllen können, um dem restlichen Europa etwas von der viel gerühmten siebenbürgischen Toleranz mitgeben zu können.